Teamcoaching an einem Tag: Reicht das wirklich?
"Können wir das nicht einfach in einem Tag klären?" Die Frage höre ich oft, meistens von Geschäftsführungen, die eigentlich lieber schnell eine Lösung hätten als einen mehrtägigen Prozess. Meine ehrliche Antwort: Ja, das geht oft – das Format Teamcoaching an einem Tag hat wichtigen Nutzen, aber natürlich auch Einschränkungen. Die ursprüngliche Idee des Formats kommt von Heiner Diepenhorst, vom Teamentwicklung Lab. Ich werde sie hier anhand eines Praxisbeispiels und leichten Anpassungen darstellen.
Was ist Teamcoaching an einem Tag?
Kurz gesagt: ein kompaktes Format, meistens 6 bis 8 Stunden, in dem ein Team konkrete Themen bearbeitet – Kommunikation, Zusammenarbeit, Rollen, was gerade drückt. Also kein wochenlanger Prozess, sondern ein bewusst gebauter Tag: erst Verständnis schaffen, dann die eigentlichen Themen ansprechen, dann Maßnahmen festhalten.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Leitungsteam hat mich beauftragt: zwei Geschäftsführer, vier Teamleads. Das Thema war schnell klar: Die Mitarbeitenden würden zu selten eigenverantwortlich handeln, hieß es, und sich nicht trauen, ehrliches Feedback zu geben oder Tacheles zu reden.
Was sich im Workshop zeigte: Genau dieses Muster gab's auch in der Führungsrunde selbst.
Warum nicht direkt zur Sache?
Ich könnte gleich mit "Wo drückt der Schuh?" starten, einer Übung, in der ein Team offen benennt, was nicht läuft. Mache ich aber nicht, denn ohne Vorbereitung geht das meistens schief: Entweder bleibt's oberflächlich, weil sich keiner traut. Oder es eskaliert, weil keine Basis da ist, um schwierige Dinge sicher auszusprechen.
Deshalb gehe ich erstmal einen Umweg.
Der Umweg zuerst
Bei dieser Runde war das das 4-Typen-Modell — angelehnt ans DISG-Modell, mit eigenen Typenbezeichnungen wie MacherIn, KommunikatorIn, Kollegiale und SpezialistIn. Kurz gesagt: Jeder ordnet sich einem der vier Typen zu, und die Gruppe bespricht in kleinen, typengleichen Runden, was sie gut können.
Klingt wie ein nettes Kennenlernspiel, und das ist es auch. Aber es passiert noch was anderes dabei: Man spricht über ein Modell, nicht über sich selbst. Niemand muss sich persönlich exponieren, trotzdem entsteht Verständnis. Wenn eine Teamleiterin merkt, dass ihr Kollege nicht aus Ignoranz knapp kommuniziert, sondern weil er einfach anders tickt, hat sie gerade was Wichtiges gelernt. Ohne dass es um sie ging. Alternativ zum 4-Typen-Modell könnte man auch Tuckmans Phasenmodell, Gewaltfreie Kommunikation, Spiral Dynamics oder ein anderes Feedback-Format vorschalten.
Und dann darf's mit "Wo drückt der Schuh?" persönlich werden
Erst danach kommt "Wo drückt der Schuh?" Zwei Kleingruppen, drei Fragen: Wo drückt der Schuh? Was läuft aber schon gut? Und was schlagen wir als Lösungen vor?
Weil die erste Runde schon eine gemeinsame Sprache geschaffen hat, kommen jetzt Dinge auf den Tisch, die vorher zu riskant waren. Bei dieser Gruppe zum Beispiel: dass Rückmeldungen an die Geschäftsführung vermieden wurden. Dass Verantwortung lieber stillschweigend nach oben delegiert wurde, statt sie selbst zu übernehmen. Genau das Muster, das sie bei ihren Mitarbeitenden bemängelt hatten – nur eine Ebene höher.
Genau der unbequeme Moment, um den es eigentlich geht.
Der Coaching-Tag ist der Anfang, nicht das Ende
Ein Coaching-Tag löst nichts endgültig. Er macht Dinge sichtbar und übersetzt sie in was Konkretes. Bei dieser Runde waren das gleich mehrere Sachen: Die Stellenprofile der Teamleads wurden nachgeschärft, weil Rollen zu vage waren. Die Teamleads gingen selbst mit ihren Teams in einen eigenen Workshop – Rollenspiele zum Feedback-Üben inklusive (was mache ich, wenn im Meeting eine vermeintlich "blöde" Frage kommt?). Die 4 Typen und das Eisberg-Modell wanderten mit in die Teams. Und am Ende stand die Frage an die Mitarbeitenden direkt: Wo könnt ihr eigenverantwortlicher handeln – und wo tut ihr das eigentlich schon?
Der Tag mit der Führungsrunde war also nicht das Ergebnis. Er war der Auslöser.
Wann ein Tag Teamcoaching funktioniert – und wann nicht
Ehrlich: Ein Tag reicht nicht immer. Wenn das eigentliche Problem in der Organisationsstruktur steckt oder die Themen dahinter komplexer sind und mehr Zeit brauchen, macht ein Coaching-Tag das nur sichtbar, löst es aber nicht. Ohne Follow-up kann dann auch vieles verpuffen. Die Zuspitzung in der Mitte des Coachings mit "Wo drückt der Schuh?" braucht außerdem jemanden, der sie hält, sonst kippt's schnell von "es wird endlich ehrlich" zu "es eskaliert". Und ganz zerrüttete Teams brauchen oft erstmal Einzelgespräche, bevor sie überhaupt an einen Tisch können.
Wenn das alles passt, reicht ein Tag Teamcoaching aber wirklich oft aus, um einen Fortschritt anzustoßen.
Häufige Fragen
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Kommt drauf an, wie viele Personen dabei sind und was ihr braucht. Sag mir im kostenfreien Erstgespräch, worum's geht, dann bekommst du ein konkretes Angebot.
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Für konkrete akute Themen ja, wenn Vorbereitung, Zuspitzung und Nachbereitung stimmen. Bei sehr verhärteten Konflikten oder strukturellen Problemen ist ein Tag eher der Anfang als die Lösung.
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Wenn's um tiefer sitzende, wiederkehrende Themen geht, oder wenn ein Team noch kein Grundvertrauen hat, um sich an einem Tag zu öffnen. Dann fangen wir eher mit Einzelgesprächen an.
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In der Regel 3 bis 12 Personen. Bei größeren Teams besprechen wir das im Erstgespräch.
Erkennst du dein Team darin wieder? Dann lass uns hier in einem kostenfreien Erstgespräch schauen, ob ein Tag reicht oder was ihr wirklich braucht.