Warum ich Orange so lange gemieden habe und was Spiral Dynamics damit zu tun hat
Welche Eigenschaften nerven dich bei einer Organisation am meisten?
Übergenauigkeit? Harmoniestreben? Konkurrenzdenken? Obrigkeitsdenken?
Mich haben lange leistungs- und wettbewerbsorientierte Kulturen gestresst. Ich dachte: Diese Leistungskultur hätten wir spätestens in den 2010er Jahren hinter uns lassen sollen. Empathische LinkedIn-Posts, die New-Work-Welle, Bewegungen wie Reinventing Organizations – das sind doch Zeichen, dass Organisationen menschlicher werden. Was für eine Erleichterung.
Oder nicht?
Was Spiral Dynamics ist und warum es hilft, Organisationen zu verstehen
In meiner Ausbildung zur Teamentwicklung bin ich auf Spiral Dynamics gestoßen – ein Modell, das die Prägung und Kultur von Organisationen beschreibt, weiterentwickelt von Don Beck und Chris Cowan.
Es gibt acht Stufen, denen jeweils eine Farbe zugeordnet wird. Fünf davon exemplarisch:
🔴 Rot – Macht und Durchsetzungsstärke
🔵 Blau – Regeln und Genauigkeit
🟠 Orange – Leistung und Wettbewerb
🟢 Grün – Gemeinschaft und Menschlichkeit
🟡 Gelb – systemisches, lösungsorientiertes Denken
Spiral Dynamics ist in der Realität deutlich vielschichtiger – aber das gibt einen ersten Eindruck.
Und für mich war lange klar: Grüne Organisationen sind am erstrebenswertesten. Und ich bin grün.
Der blinde Fleck: Warum Widerstand ein verborgener Schatz ist
In der Ausbildung haben wir alle Farben durchleuchtet – mit ihren Stärken und Schwächen. Und dann passierte etwas Unerwartetes:
Ich habe viele Farben in mir entdeckt. Auch wenn ich es anfangs nicht wahrhaben wollte.
Warum war mein Widerstand gegen Orange so groß? Die Angst, gemessen zu werden. Nicht gut genug zu sein. Und gleichzeitig – heimlich – doch gewinnen zu wollen.
Also habe ich orangefarbene Organisationen gemieden. Oder dachte das zumindest lange.
Die Wahrheit: Ich bin kompetitiv beim Tischtennis, beim Tennis, beim Uno. Und ehrlich gesagt auch bei der Arbeit. Wir sind alle Smarties. Die Frage ist nur, welche Farben wir uns eingestehen.
Spiral Dynamics in der Teamentwicklung: Kultur sichtbar machen
Das Modell hilft nicht nur beim Blick nach innen – es ist auch ein kraftvolles Werkzeug in der Teamentwicklung.
Es macht die aktuelle Kultur eines Teams sichtbar, gemeinsam verstehbar und weiterentwickelbar. Manchmal stellt ein Team dabei fest:
Wir sind sehr grün, aber wir bräuchten gerade mehr Orange, um neue Kunden zu gewinnen.
Bei uns dominiert Blau: viele Regeln, viel Struktur ,aber wir bräuchten mehr Gelb, um flexibler zu werden.
Ich erlebe immer wieder, wie es Teams hilft, ihre Anteile und ihre Kultur besprechbar zu machen – und daraus echte Veränderungen anzustoßen.
Was Spiral Dynamics mit mir gemacht hat
Das Modell hat mir geholfen, meine eigenen bunten Anteile mehr zu akzeptieren. Und das macht mich heute in der Arbeit mit Coachees und Teams wirksamer.
Die alte Weisheit stimmt eben doch:
Fang erst bei dir selbst an – dann wird es mit anderen leichter.
Wir sind alle Smarties. Manche grün, manche orange, manche rot. Und manchmal an einem Tag auch alle auf einmal.
Ich bin Rouven Faasch und Coach in Berlin Mitte. Ich begleite Menschen in beruflichen Übergängen sowie Führungskräfte und Teams.