Deine Werte leben
Eine Übung, die mehr aufdeckt als du erwartest
Im letzten Beitrag ging es ums Erkennen von Werten – was sie sind, warum sie wichtig sind und warum werteorientiertes Leben manchmal auch wehtut. Heute geht's ans Eingemachte.
Werte zu kennen ist der erste Schritt. Aber der entscheidende Schritt ist ein anderer: herauszufinden, welche Werte in deinem Leben gerade zu wenig Raum bekommen. Und was du damit machst.
Ich lade dich zu einer kleinen Übung ein. Stift und Papier helfen.
Es wird jetzt etwas coaching-like – es kommen Fragen.
Dein 70. Geburtstag
Stell dir vor: Es ist dein 70. Geburtstag. Du feierst so, wie es sich stimmig anfühlt. Wer sind die Gäste? Wo bist du? Was passiert an diesem Tag?
Es gibt eine Person, die eine Rede auf dich hält. Jemand, der dich gut kennt und immer an deiner Seite war.
Was erzählt sie über dich und dein Leben?
Schau einfach, was hochkommt. Wofür hast du dich eingesetzt?
Wie warst du? Wie bist du für das eingestanden, was dir wichtig war? Wann hast du dich – und andere – überrascht?
Diese Rede ist ein Wunschkonzert. Alles darf vorkommen.
Und jetzt ehrlich
Gibt es einen Wert, der in dieser Rede vorkommt – aber in deinem aktuellen Leben eine zu kleine Rolle spielt?
Was ist dieser Wert?
Wenn du ihn gefunden hast, geh ruhig einen Schritt weiter:
Wie wichtig ist dir dieser Wert – und wie viel Raum bekommt er gerade wirklich?
Wie würdest du ihn in einem Satz beschreiben: Wofür steht er, wozu dient er dir?
Was sind die Stolpersteine auf dem Weg – und wie könntest du einen davon aus dem Weg räumen?
Was in der Praxis auffällt
Genau solche Fragen tauchen übrigens oft auch im Coaching auf. Meist schaue ich mir mit Coachees vier bis sechs Werte an – besonders spannend wird es, wenn Ist und Soll weit auseinanderliegen.
Aber dafür braucht es nicht zwingend Coaching. Ein Gespräch mit jemandem, dem du vertraust, und der richtige Rahmen reichen oft schon.
Was mir dabei immer wieder auffällt: Es geht häufig um Werte wie Ruhe, Selbstfürsorge, Gerechtigkeit, Freude. Werte, die gesellschaftlich weniger belohnt werden als Leistung – und deshalb häufiger unterdrückt werden.
Dabei warten sie nur darauf, mit Leben gefüllt zu werden. Von dir.