Kernstärken kennen und leben

Warum es einer der wichtigsten Schritte in deiner Entwicklung ist

Ich kannte meine Kernstärken nicht – 35 Jahre lang. Traurig, weil spät. Zum Glück, weil nicht zu spät.

Dabei ist die Frage eigentlich simpel: Was kannst du so gut, dass es sich für dich selbstverständlich anfühlt – obwohl es das für andere gar nicht ist? Genau das sind Kernstärken. Keine aufgesetzten Fähigkeiten, die du dir mühsam antrainiert hast. Sondern das, was dir leichtfällt, Energie gibt und dir das Gefühl vermittelt: Hier bin ich richtig.

Wer seine Kernstärken kennt, trifft bessere Entscheidungen – im Beruf, in Beziehungen, im Leben. Wer sie nicht kennt, tappt lange im Dunkeln. Wie ich.

Das Fragezeichen nach der Schule

Ich erinnere mich grundsätzlich gern an meine Schulzeit. Aber wenn ich ehrlich bin, lassen mich einige Lerninhalte bis heute mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurück.

Sinus. Cosinus. Merksprüche für Nebenflüsse bayerischer Gewässer. Lateinübersetzungen aus dem Gallischen Krieg. Und natürlich der Klassiker: vom Sprungbrett auf den Bock turnen. (Für alle, die das erfolgreich verdrängt hatten – hier zur Erinnerung.)

Nicht, dass das alles Unsinn wäre. Aber Persönlichkeitsentwicklung als festes Schulfach? Fehlanzeige. Ich hätte es sofort in der ersten Klasse gewählt.

Stattdessen gab es irgendwann den BIZ-Test bei der Arbeitsagentur – der mir mitteilte, dass für mich entweder eine Karriere als Wirtschaftsprüfer oder als Gärtner in Frage käme. Spannender Zusammenhang. Danke, nein.

Weiter im Dunkeln: das Studium

In meinem BWL-Studium ging es darum, Fachwissen in die Birne zu stopfen und zu hoffen, dass es bis zur Klausur hält. Einen Stärkenkurs? Gab es nicht.

Die Konsequenz: Bewerbungen als Business Analyst, in denen ich meine Stärken als analytisch, dynamisch und offen beschrieben habe. Sehr individuell. Sehr konkret. Die armen HR-Leute.

Was mir ein einziger Stärkentest erspart hätte

Rückblickend wird mir klar, was ich ohne diesen blinden Fleck früher hätte erkennen können:

🎓 Ein „falsches" Studium – Psychologie wäre es gewesen, nicht BWL.

🧳 Zähe Bewerbungsrunden für Jobs, die mir nie wirklich gepasst hätten.

⛓️ Jahrelanges Aussitzen meines ersten Jobs, weil ich schlicht nicht wusste, was ich wirklich gut kann.

Was so ein Test kostet und was er bringt

Die gute Nachricht: Du musst nicht 35 Jahre warten. Und es muss dich nicht viel kosten.

VIA Character Strengths: 0 €
Gallup Strengthsfinder: ca. 50 €
Gespräch mit einem Freund oder Coach: 0–200 €

Was du danach hast?

Mastercard würde sagen: unbezahlbar.

Drei Fragen, die dich schon ziemlich weit bringen

Du musst nicht sofort einen Test machen. Fang einfach mit diesen drei Fragen an:

  1. Welche Dinge hast du schon als Kind gern gemacht?

  2. Gibt es etwas, wofür dich deine Freunde wertschätzen?

  3. Bei welchen Eigenschaften wunderst du dich, dass das nicht eigentlich alle können?

Wenn du deine Stärken kennst, triffst du andere Entscheidungen. Klarere. Mutigere. Passendere.

Und meine fünf Stärken?

Falls es dich interessiert: einfühlsam, kreativ, flexibel, fördernd, pragmatisch. Humorvoll könnte ich noch hinzufügen – aber ich frage mich manchmal, ob man über meine Witze aus reiner Höflichkeit lacht.

Und bei aller Schulkritik: Zur Wahrheit gehört auch, dass ich selbst früher hätte hingucken können. Da kann ich mir natürlich auch an die eigene Nase fassen.

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