Werte erkennen und leben: Ein praktischer Leitfaden

Warum werteorientiertes Leben manchmal wehtut und eine Übung, die mehr aufdeckt, als du erwartest.

Persönliche Werte sind mehr als schöne Worte auf einer Unternehmenswebsite. Sie sind das, was dir wirklich wichtig ist. Tief drin, oft lange bevor du es benennen kannst. Sie geben Motivation, Orientierung und Sinn. Und genau deshalb lohnt es sich, ihnen auf die Spur zu kommen.

Aber: Werte haben es nicht leicht. Sie sind umzingelt von Glaubenssätzen, sozialer Norm und einer Menge innerer Widerstände. Der Weg zum werteorientierten Leben ist oft komplex. Ein bisschen Theorie hilft, um sich der Praxis zu nähern.

Persönliche Werte erkennen und reflektieren

Warum Werte manchmal wehtun

Die eigenen Werte zu erkennen ist oft leichter gesagt als getan. Viele Menschen spüren zwar, dass ihnen etwas wichtig ist, können es aber nicht konkret benennen.

Warum sind Werte so wichtig, dass sogar eine Therapierichtung sie zum Kern macht? Und warum gehört zu Werten immer auch ein bisschen Leiden?

Stell dir vor: Du forschst als Wissenschaftler:in an etwas Bahnbrechendem, das soziale Gerechtigkeit verbessert. Dieser Wert gibt dir Sinn und Richtung. Gleichzeitig hast du enormes Lampenfieber davor, öffentlich zu sprechen. Aber genau das wäre nötig, um deine Erkenntnisse publik zu machen.

Sauberes Leiden wäre: die Nervosität akzeptieren und trotzdem auf die Bühne gehen. Wenn ich weiß, wofür ich es tue, wird das Unbehagen tragbar. In der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) nennt man das sauberes Leiden.

Schmutziges Leiden wäre: den Auftritt immer wieder absagen. Kurzfristig Erleichterung, aber zum Preis, den eigenen Wert dauerhaft zu unterdrücken. Das Leiden entsteht hier nicht aus dem Handeln, sondern aus der Vermeidung.

Der erste Schritt: die Vermeidung bemerken

Ein guter erster Schritt ist schlicht: bemerken.

Ah, ich vermeide gerade.

Das macht ja auch Sinn. Angst, Druck, Scham, Frust sind unangenehm. Aber wenn das, was auf der anderen Seite wartet, dir wirklich wichtig ist, wird das Einlassen auf dieses Unbehagen leichter.

Und oft merkst du danach: Das war richtig. Auch wenn es anstrengend war. Dieses Nachher-Gefühl ist der Beweis, den kein Vermeidungs-Argument ersetzen kann.

Bei mir waren es die Werte Entwicklung und Verbindung, die mehr Raum bekommen durften. Wenn ich heute vor Workshops aufgeregt bin, denke ich daran: Ich möchte Entwicklung ermöglichen und Verbindungen stärken. Das reicht mir oft, um die unangenehmen Gefühle zu akzeptieren.

Die entscheidende Frage: Welche Werte bekommen zu wenig Raum?

Werte zu kennen ist der erste Schritt. Der entscheidende Schritt ist ein anderer: herauszufinden, welche Werte in deinem Leben gerade zu wenig Raum bekommen. Und was du damit machst. Wenn du deine persönlichen Werte erkennen möchtest, kann die folgende Übung ein guter Ausgangspunkt sein. Stift und Papier helfen.

Übung: Dein 70. Geburtstag

Stell dir vor: Es ist dein 70. Geburtstag. Du feierst so, wie es sich stimmig anfühlt. Wer sind die Gäste? Wo bist du? Was passiert an diesem Tag?

Es gibt eine Person, die eine Rede auf dich hält. Jemand, der dich gut kennt und immer an deiner Seite war.

Was erzählt sie über dich und dein Leben?

Schau einfach, was hochkommt. Wofür hast du dich eingesetzt? Wie warst du? Wie bist du für das eingestanden, was dir wichtig war?

Diese Rede ist ein Wunschkonzert. Alles darf vorkommen.

Und jetzt ehrlich

Genau so gelingt es vielen Menschen, ihre Werte zu erkennen: nicht über Theorie, sondern über konkrete Bilder und Erfahrungen.

Gibt es einen Wert, der in dieser Rede vorkommt, aber in deinem aktuellen Leben eine zu kleine Rolle spielt?

Wenn du ihn gefunden hast, geh ruhig einen Schritt weiter:

  • Wie wichtig ist dir dieser Wert und wie viel Raum bekommt er gerade wirklich?

  • Wie würdest du ihn in einem Satz beschreiben: Wofür steht er, wozu dient er dir?

  • Was sind die Stolpersteine auf dem Weg und wie könntest du einen davon aus dem Weg räumen?

Was mir in der Praxis immer wieder auffällt: Es geht häufig um Werte wie Ruhe, Selbstfürsorge, Gerechtigkeit, Freude. Werte, die gesellschaftlich weniger belohnt werden als Leistung und deshalb häufiger unterdrückt werden.

Dabei warten sie nur darauf, gelebt zu werden. Denn Werte zu leben beginnt oft mit kleinen Entscheidungen im Alltag.

Du möchtest deine Werte, Stärken oder berufliche Entwicklung reflektieren? Erfahre mehr über mein Life Coaching, Coaching zur beruflichen Neuorientierung oder Führungskräfte Coaching und Business Coaching.

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