Teamkonflikte lösen: Was bei Konflikten im Team hilft

Teamkonflikte lösen Coaching Berlin

Es könnte doch so einfach sein: Man spricht über die Sache und regelt es irgendwie. Und wenn man es nicht hinbekommt, holt man sich eine Art Schiedsrichter dazu.

Die Betonung liegt, wie so oft, auf könnte und einfach.

In der Realität sind Konflikte vertrackt und vielschichtig. Selten geht es nur um die Sache. Und das Problem ist: Häufig sind sich die Beteiligten darüber noch nicht einmal bewusst.

Das ist nichts Neues. Und dennoch fällt es vielen Menschen, Teams und Organisationen schwer, Konflikte direkt und konstruktiv zu klären.

Konflikte sind doch das Normalste der Welt: Was eigentlich einfach klingt & trotzdem Mut und Übung braucht

Konflikte im Team sind normal. Wo Menschen zusammenarbeiten, treffen unterschiedliche Erwartungen, Bedürfnisse, Arbeitsweisen und Persönlichkeiten aufeinander.

Im Meeting wird es plötzlich still. Eine Entscheidung wird zum dritten Mal diskutiert. Zwei Kolleg:innen gehen sich aus dem Weg. Oder man ärgert sich seit Wochen über jemanden und bespricht das ausführlich mit anderen – nur nicht mit der Person selbst. Kennen wir vermutlich alle.

Der gut gemeinte Rat „Dann redet doch einfach miteinander“ ist dabei gar nicht so falsch. Wenn da nur nicht diese Gefühle und Bedürfnisse im Weg wären: Angst vor Ärger, das Bedürfnis nach Anerkennung oder Sicherheit, Scham davor, bloßgestellt zu werden.

Aus meiner Erfahrung geht es bei Konflikten immer wieder darum, diese Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche sichtbar zu machen. Dafür helfen zunächst ein paar einfache Fragen: Worum geht es mir wirklich? Wie fühle ich mich mit der aktuellen Situation? Und was wünsche ich mir?

Und danach geht es darum, auch die Perspektive des Gegenübers sichtbar zu machen. Für die GFK-Profis nichts Neues.

In diesem Artikel wird es praktisch. Es geht nicht um möglichst viele Konfliktarten und Kommunikationstechniken, sondern um einige Dinge, die mir in der Arbeit mit Teamkonflikten tatsächlich helfen.

Teamkonflikte lösen, kurz zusammengefasst

  • Nicht vorschnell nach Lösungen suchen.

  • Heiße Konflikte brauchen Beruhigung, kalte Konflikte müssen manchmal erst besprechbar werden.

  • Erst verstehen, worum es mir selbst eigentlich geht – und wo vielleicht eine Grenze nötig ist.

  • Möglichst miteinander statt übereinander sprechen. Einfacher gesagt als getan.

  • Prüfen, ob Rollen, Verantwortlichkeiten oder Strukturen den Konflikt mitverursachen.

  • Wenn der direkte Austausch nicht mehr gelingt, kann Unterstützung durch Führung oder externe Moderation helfen.

Konfliktmoderation im Team Berlin

Warum Konflikte im Team manchmal so schwer zu lösen sind

Ein Streit darüber, wer welche Aufgabe übernimmt, ist selten nur ein Streit über Aufgabenverteilung.

Er kann gleichzeitig bedeuten: Meine Arbeit wird nicht gesehen. Du entscheidest über meinen Kopf hinweg. Ich werde nicht ernst genommen. Ich habe Angst vor der Präsentation. Oder: Ich möchte hier nicht an Einfluss verlieren.

Verhandelt wird dann vielleicht eine Deadline. Darunter geht es aber längst um etwas anderes. Und genau das kann die Diskussion so zäh machen: Vielleicht spüren beide Seiten sogar, dass es eigentlich nicht mehr nur um die vermeintliche Sache geht.

Das ist für mich eine wichtige psychodynamische Perspektive auf Konflikte: Sie berühren schnell Themen wie Anerkennung, Zugehörigkeit, Status, Gerechtigkeit oder Sicherheit. Und manchmal auch eigene wunde Punkte.

Deshalb verhalten wir uns in Konflikten nicht immer so souverän, wie wir es uns wahrscheinlich wünschen würden. Wir rechtfertigen uns, greifen an, ziehen uns zurück oder suchen Verbündete. Diesen Impuls, mich zu rechtfertigen, kenne ich als Coach übrigens auch ziemlich gut, wenn mal ein kritisches Feedback kommt.

Dazu kommt psychologische Sicherheit: Traue ich mich in meinem Team überhaupt, etwas Kritisches anzusprechen? Kann ich widersprechen? Kann ich sagen, dass mich etwas ärgert oder dass ich einen Fehler gemacht habe, ohne Angst vor negativen Konsequenzen haben zu müssen?

Je weniger sicher das ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass Konflikte unter der Oberfläche bleiben.

Deshalb suche ich bei Teamkonflikten nicht sofort nach einer Lösung. Mich interessiert zunächst: Was wird hier eigentlich gerade verhandelt?

Teamkonflikte lösen: 6 Schritte aus der Praxis

Es gibt aus meiner Sicht kein Schema, mit dem sich jeder Konflikt lösen lässt. Aber es gibt einige Fragen und Vorgehensweisen, auf die ich in meiner Arbeit immer wieder zurückkomme.

Im Kern geht es für mich häufig darum, die Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche der Beteiligten sichtbar zu machen, darüber in den Austausch zu kommen und gegenseitiges Verständnis zu fördern – nicht zu erzwingen. Manchmal hilft dabei auch eine Außenperspektive oder eine Beobachtung, die ich als Coach zur Verfügung stelle.

Aber jetzt wird's erstmal konkret.

Die folgenden Praxisbeispiele stammen aus meiner Arbeit mit Teams. Namen und einzelne Details habe ich verändert, damit keine Rückschlüsse auf die Beteiligten möglich sind.

Wann sollte Führung eingreifen – und wann braucht es externe Unterstützung?

Vier Eskalationsstufen bei Teamkonflikten: Direkte Klärung, Unterstützung durch die Führungskraft, moderiertes gemeinsames Gespräch und externe Konfliktmoderation Berlin

Nicht jedes Knirschen braucht sofort ein moderiertes Konfliktgespräch.

Wo es möglich ist, würde ich Konflikte zunächst dort klären lassen, wo sie entstanden sind. Als grobe Orientierung:

Direkte Klärung → Unterstützung durch die Führungskraft → moderiertes gemeinsames Gespräch → externe Konfliktmoderation

Eine Ausnahme gibt es natürlich: Führung sollte früher eingreifen, wenn Grenzen überschritten werden, die Zusammenarbeit ernsthaft beeinträchtigt wird oder ein Machtgefälle eine direkte Klärung erschwert.

Externe Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn Gespräche immer wieder im gleichen Muster enden, sich Lager gebildet haben, wichtige Themen dauerhaft vermieden werden oder die Führungskraft selbst Teil des Konflikts ist.

Als externer Moderator sehe ich meine Aufgabe dabei nicht darin, herauszufinden, wer recht hat. Natürlich habe auch ich innere Reaktionen und finde vielleicht die eine Position zunächst nachvollziehbarer als die andere. Entscheidend ist, das wahrzunehmen und trotzdem allparteilich zu bleiben: also beiden Seiten mit ihren jeweiligen Perspektiven Raum zu geben.

Ich versuche einen Rahmen zu schaffen, in dem die Beteiligten wieder miteinander sprechen und ihre Lösungen möglichst selbst entwickeln können.

Und dabei lande ich eigentlich immer wieder bei den gleichen Fragen: Worum geht es beiden Parteien wirklich? Was löst die Situation jeweils aus? Und wie können Bedingungen entstehen, unter denen beide einander wieder zuhören und zumindest versuchen können, die andere Seite zu verstehen?

Teamkonflikte lösen: Eine kurze Checkliste

Für dich, wenn es in deinem Team gerade knirscht:

  1. Ist der Konflikt eher heiß oder kalt?

  2. Was ist konkret passiert – und was davon ist bereits meine Interpretation?

  3. Worum geht es mir hier eigentlich?

  4. Was wünsche ich mir konkret?

  5. Braucht es gerade mehr Dialog – oder muss ich eine Grenze setzen?

  6. Habe ich mit der betreffenden Person gesprochen oder hauptsächlich über sie?

  7. Verstehe ich, worum es der anderen Person geht, auch wenn ich anderer Meinung bin?

  8. Geht es wirklich um uns als Personen oder spielen Rollen, Ziele und Strukturen mit hinein?

  9. Können wir das selbst klären oder brauchen wir Unterstützung?

Konfliktgespräch im Coaching Berlin

Konflikte lösen heißt nicht, möglichst schnell wieder Harmonie herzustellen

Ich glaube nicht, dass gute Teams besonders wenig Konflikte haben müssen. Bei Teams, in denen immer nur Harmonie herrscht, werde ich sogar eher skeptisch.

Das ist in anderen engen Beziehungen ja auch nicht anders. In Familien, Freundschaften oder Partnerschaften braucht es Reibung und den Raum, die eigene Meinung zu zeigen.

Entscheidend ist für mich deshalb eine andere Frage: Wie gehen wir miteinander um, wenn unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse oder Perspektiven aufeinanderprallen?

Manchmal muss ein Konflikt dafür erst abkühlen. Manchmal muss ein lange vermiedenes Thema überhaupt erst auf den Tisch. Manchmal braucht es Selbstklärung und manchmal mehr Klarheit über Rollen und Verantwortlichkeiten.

Und ziemlich häufig führt irgendwann wenig daran vorbei, wieder miteinander zu sprechen – nicht unbedingt, um am Ende derselben Meinung zu sein, sondern damit Unterschiede wieder besprechbar und bearbeitbar werden.


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Teamcoaching an einem Tag: Reicht das wirklich?